Freitag, 13. April 2012 8:55
Bei den E-Commerce Awards 2012, die kürzlich in Madrid verliehen wurden, wurde der spanische Online-Shop tradeinn.com als “Bester internationalisierter spanischer Online-Shop” ausgezeichnet. Grund genug, den Sport-Riesen im spanischen eCommerce-Markt mal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen – vor allem im Hinblick auf die Internationalisierung.

TradeInn: "Bester internationalisierter spanischer Online-Shop" 2012
Sechs Sprachversionen
Was beim Klick auf tradeinn.com als erstes auffällt: man landet auf der deutschen Sprachversion. So weit, so gut – immerhin erkennt das System, aus welchem Land ich komme, und die übrigen fünf Sprachversionen (Spanisch, Englisch, Italienisch, Französisch und Schwedisch) sind an gewohnter Stelle (rechts oben) mit einem Klick erreichbar.
Fragwürdige Formulierungen
Wer sich die Zeit nimmt, die Informationen zum Shop auf der Startseite durchzulesen, merkt recht schnell, dass er hier nicht in einem genuin deutschen Shop gelandet ist – spätestens bei der Formulierung “Wir halten uns immer alle notwendigen Objektive vor Augen” und dem kurzen Zögern, ob zu dem umfangreichen Repertoire des Shops vielleicht doch auch Fotozubehör gehört, wird aber klar, dass man hier ein wenig mehr Sorgfalt bei der Übersetzung hätte walten lassen können – bzw. dass ein professioneller Übersetzer, der dem ähnlichen Klang von “objetivo” (span. für “Ziel”) und “Objektive” nicht aufgesessen wäre, sein Geld wohl durchaus wert gewesen wäre…
Bei Klick auf die einzelnen Shops – tradeinn.com ist genau genommen nur übergreifende Portalseite für trekkinn.comdiveinn.com, swiminn.com, snowinn.com, bikeinn.com und smashinn.com – ist der erste Eindruck schon etwas besser, aber durchaus auch durch Kleinigkeiten wie falsche Groß- und Kleinschreibung (“Informationen zur lieferzeit” / “Rucksäcke und taschen”), holprige Formulierungen (“MWSt. inkludiert”) und ungewohnte Formate (“10.8 €”) getrübt.
Kundenservice auf Deutsch?
Immerhin: eine deutsche Telefonnummer der Hotline baut Barrieren im Kontakt ab. Für die Vorsichtigeren unter den Kunden fehlt allerdings ein Hinweis, ob die Hotline auch deutschsprachig besetzt ist.
Die Produktbeschreibungen sind offenbar professionell übersetzt und lesen sich größtenteils gut – allerdings schummelt sich hier und da auch einmal eine englischsprachige Beschreibung in die deutsche Site.

Aus dem Korb heraus kann die Bestellung abgesendet werden...
Übersetzung statt Lokalisierung
Dass man im deutschen Online-Handel seine Auswahl in einem “Warenkorb” ablegt, hat sich bis zur Internationalisierungsabteilung von tradeinn.com wohl bereits herumgesprochen, nur leider wurde der Begriff nicht durchgängig und einheitlich eingesetzt. Für die Überschrift wurde einfach der im Spanischen übliche Begriff “Cesta” übersetzt, und so finden sich die ausgewählten Produkte dann im “Korb”. Aus dem heraus kann man laut Button-Beschriftung schon direkt “Bestellung absenden” wählen, eine zumindest missverständliche Formulierung, denn Adressdaten hat man zu diesem Zeitpunkt zum Beispiel noch keine eingegeben – bis zum tatsächlichen Absenden der Bestellung sind es also noch ein paar Schritte.
Technische Hindernisse
Ärgerlich ist die technische Einschränkung der Länderauswahl bei der Adresseingabe. Diese ist auf das vorher eingestellte Land beschränkt – die Vorauswahl “Germany” lässt sich nicht mehr ändern. Möchte man seine Bestellung beispielsweise an eine österreichische Adresse geliefert haben, muss man zunächst am oberen Bildschirmrand die Länderauswahl ändern – um sich danach darüber zu ärgern, dass der Inhalt des Warenkorbs gelöscht ist! Also wieder alles von vorne…

Produktbeschreibung bei TradeInn
Ähnliche sprachliche und technische Probleme lassen sich auch bei den anderen Sprachversionen feststellen. Im Französischen etwa heißt der Link auf die Datenschutzerklärung “Protection des données à caractère” – hier fehlt das zum Verständnis abschließende “personnel”, das offenbar schlicht nicht mehr in das dazugehörige Feld passte (davon dass sie sich über den Link nicht aufrufen lässt, mal abgesehen). Die englischen Texte klingen häufig ziemlich holprig, bisweilen auch fehlerhaft. Sonderzeichen werden an vielen Stellen fehlerhaft behandelt und führen zu unschönen Anzeigen.
Fazit
Es bleibt noch einiges an Optimierungspotenzial für den “Besten internationalisierten spanischen Online-Shop” 2012. Eine sorgfältige Übersetzung der Shopelemente sollte für ein Projekt dieser Größenordnung eigentlich selbstverständlich sein – schade, dass man diese Aufgabe bei tradeinn.com offenbar nicht allzu ernst genommen hat. Was das über den spanischen eCommerce-Markt und seine Internationalisierungsbestrebungen aussagt? So einiges – zumindest wenn die Auswahlkommission des E-Commerce Award ihre Auswahl zu Recht getroffen hat…
Wie sind Ihre Internationalisierungserfahrungen?
Haben Sie mit Ihrem Online-Shop den Schritt aufs internationale Parkett gewagt? Ob klein, ob groß – wir möchten Ihre persönlichen Internationalisierungserfahrungen gerne vorstellen! Sprechen Sie uns an und seien Sie dabei – bei den Markt-Eroberern!
KF / msh | Quelle: tradeinn.com | Ticpymes.es