Spanien geht auf die Straße – und die Medien schweigen
Lange hat es gedauert, bis die spanischen Demonstrationen Beachtung in der Presse fanden. Seit dem 15. Mai wird in Spanien allerorten demonstriert. Heute erst fanden sich die ersten Meldungen in der deutschen Presse – und auch in den spanischen Medien findet die Massenbewegung wenig Resonanz. Organisation und Berichterstattung passierte bis dato hauptsächlich via Internet, bspw. über Twitter (#spanishrevolution, #acampadasol, #15m, #15mani) und diverse engagierte Blogs. Das Schweigen im Pressewald ist umso bemerkenswerter als die Proteste außergewöhnlich zahlreich ausgefallen sind: in mehr als 50 Städten kamen mehrere zehntausend Menschen zusammen.
Anders als in den spärlichen nun nachgereichten Artikeln berichtet, sind es durchaus nicht nur Jugendliche und Studenten, die auf die Straßen gehen – das Besondere ist ganz im Gegenteil: die Demonstranten kommen aus allen Alters- und Gesellschaftsschichten. Ohne ideologischen oder politischen Unterbau sprechen sie sich für einen politisch-gesellschaftlichen Wechsel und mehr Demokratie im festgefahrenen 2-Parteien-System aus. Gegen Korruption, gegen steigende Arbeitslosigkeit, für mehr Mitbestimmung und den Erhalt und Ausbau des Sozialsystems.
Bis zu den Kommunalwahlen am kommenden Sonntag werden die Proteste mindestens weitergehen: an einzelnen Orten, etwa an der Puerta del Sol in Madrid, haben sich regelrechte Camps gebildet unter dem Motto: “no nos vamos” (“wir gehen nicht weg”).
Interessante Infos & Kommentare:
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KF/msh